Was verrät unsere Kleidung über uns?

Was verrät unsere Kleidung über uns?

Kleidung ist mehr als nur das, was wir morgens aus dem Kleiderschrank nehmen. Sie begleitet uns durch unseren Alltag, durch besondere Momente und manchmal sogar durch ganze Lebensabschnitte. Oft entscheiden wir innerhalb weniger Minuten, was wir anziehen - und trotzdem kann diese Entscheidung viel über uns erzählen.

Denn Kleidung ist Ausdruck von Persönlichkeit, Stimmung und Lebensgefühl. Sie kann zeigen, worin wir uns wohlfühlen, was uns wichtig ist und manchmal sogar, wie wir uns gerade fühlen.

Kleidung als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit

Manche Menschen lieben es schlicht und zurückhaltend. Andere greifen gerne zu kräftigen Farben, auffälligen Mustern oder besonderen Schnitten. Während die eine Person am liebsten Jeans und ein bequemes Shirt trägt, fühlt sich die andere im Kleid oder im klassischen Blazer am wohlsten.

Dabei gibt es kein "richtig" oder "falsch". Kleidung sollte vor allem zu dem Menschen passen, der sie trägt.

Unser Kleidungsstil entwickelt sich dabei ständig weiter. Was wir mit 20 gerne getragen haben, muss uns mit 40 oder 50 nicht mehr gefallen. Auch unser Alltag, unser Beruf, unsere Lebenssituation oder einfach unser Geschmack verändern sich.

Manchmal ist es deshalb gar nicht der komplette Kleiderschrank, der eine Veränderung braucht. Manchmal reicht ein Kleidungsstück, das wieder richtig sitzt und sich dadurch plötzlich ganz neu anfühlt.

Warum die Passform so viel ausmacht

Ein Kleidungsstück kann auf dem Bügel wunderschön aussehen - und trotzdem fühlt es sich am eigenen Körper nicht richtig an.

Vielleicht sind die Ärmel zu lang, die Hose sitzt nicht optimal oder ein Kleid könnte an einer bestimmten Stelle etwas angepasst werden. Solche kleinen Unterschiede können erstaunlich viel verändern.

Denn wenn Kleidung gut sitzt, tragen wir sie anders. Wir bewegen uns selbstverständlicher, fühlen uns wohler und müssen nicht ständig darüber nachdenken, ob etwas verrutscht oder zwickt.

Eine gute Passform bedeutet deshalb nicht unbedingt, dass Kleidung maßgeschneidert sein muss. Oft sind es kleine Änderungen, die aus einem Kleidungsstück ein echtes Lieblingsstück machen.

Farben sprechen ihre eigene Sprache

Auch Farben können beeinflussen, wie wir wahrgenommen werden - und vor allem, wie wir uns selbst fühlen.

Viele Menschen haben bestimmte Farben, zu denen sie immer wieder greifen. Vielleicht ist es das klassische Dunkelblau, ein warmes Rot, dezente Naturtöne oder einfach Schwarz, das zu fast allem passt.

Manche Farben begleiten uns über Jahre. Andere entdecken wir irgendwann neu.

Und manchmal braucht es gar nicht viel Mut, um etwas Neues auszuprobieren: Ein farbiger Schal, eine besondere Bluse oder ein Kleid in einer Farbe, die bisher kaum im Kleiderschrank zu finden war.

Lieblingsstücke erzählen Geschichten

Besonders spannend wird es bei Kleidungsstücken, mit denen wir etwas verbinden.

Das Kleid, das wir bei einer Hochzeit getragen haben. Die Jacke, die uns auf vielen Reisen begleitet hat. Eine Bluse, die wir schon seit Jahren besitzen. Oder ein Kleidungsstück, das uns vielleicht sogar von einem geliebten Menschen geblieben ist.

Solche Stücke sind nicht einfach nur Kleidung.

Sie tragen Erinnerungen.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum wir uns von manchen Kleidungsstücken so schwer trennen können - selbst wenn sie längst nicht mehr perfekt passen oder kleine Reparaturen benötigen.

Eine Änderung, eine Reparatur oder eine Anpassung kann dann mehr sein, als nur ein handwerklicher Eingriff. Sie kann dabei helfen, ein vertrautes Kleidungsstück noch ein Stück länger zu begleiten.

Wenn Kleidung wieder zu uns passen soll

Mit den Jahren verändert sich unser Körper. Das ist ganz normal. Trotzdem bedeutet das nicht automatisch, dass wir uns von unserer Lieblingskleidung verabschieden müssen.

Eine Hose kann angepasst, ein Kleid verändert, ein Reißverschluss erneuert oder eine Jacke in der Passform korrigiert werden.

Gerade bei hochwertigen oder liebgewonnenen Kleidungsstücken lohnt sich ein zweiter Blick: Ist das Kleidungsstück wirklich nicht mehr tragbar - oder braucht es vielleicht einfach eine kleine Veränderung?

In der Schneiderei geht es deshalb nicht nur darum, Kleidung herzustellen oder zu reparieren. Es geht auch darum, Kleidungsstücke so anzupassen, dass sie wieder zu dem Menschen passen, der sie trägt.

Ein Blick in die Geschichte der Kleidung

Wer sich mit Kleidung beschäftigt, merkt schnell: Unser heutiger Kleidungsstil ist das Ergebnis einer langen Entwicklung. Schnitte, Materialien, Farben und Silhouetten haben sich über Jahrhunderte verändert - und oft erzählen sie viel über die jeweilige Zeit und Gesellschaft.

Wer sich dafür interessiert, einmal tiefer in die Geschichte der Mode einzutauchen, dem möchte ich ein Buch empfehlen, das bei mir selbst im Bücherregal steht:

Racinet: The Costume History (Bibliotheca Universalis)

Das Buch zeigt Kleidung aus verschiedenen Epochen und Regionen und ist nicht nur zum Nachschlagen interessant. Gerade für Modeinteressierte ist es spannend zu sehen, wie unterschiedlich Menschen gekleidet waren und wie sich Mode im Laufe der Zeit verändert hat.

Ich selbst habe das Buch und schaue immer wieder gerne darin nach. Für alle, die sich nicht nur für aktuelle Mode, sondern auch für ihre Geschichte interessieren, ist es eine schöne Ergänzung im Bücherregal.

Meine persönliche Buchempfehlung:
Racinet: The Costume History (Bibliotheca Universalis)

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Am Ende zählt vor allem eines: dass wir uns wohlfühlen

Mode kann Trends folgen. Stil kann sich verändern. Farben kommen und gehen.

Aber das wichtigste Kleidungsstück ist immer das, in dem wir uns selbst wiederfinden.

Vielleicht ist es ein schlichtes Lieblingskleid. Vielleicht eine perfekt sitzende Hose. Vielleicht eine alte Jacke, die schon unzählige Erinnerungen gesammelt hat.

Unsere Kleidung muss nicht immer außergewöhnlich sein. Sie muss zu uns passen.

Und manchmal bedeutet das eben nicht, etwas Neues zu kaufen, sondern einem vorhandenen Kleidungsstück eine zweite Chance zu geben.

Denn wenn Kleidung zu uns passt, merkt man das nicht nur am Spiegelbild.

Man spürt es.

 


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